Aigues-Mortes zählt zu den vollständigsten mittelalterlichen Stadtbefestigungen Frankreichs – ein perfektes Rechteck aus goldenen Mauern, das einsam in den flachen Marschen der Camargue in Okzitanien, im tiefen Süden, steht. Gegründet wurde die Stadt 1240 von König Ludwig IX., dem später heiliggesprochenen Saint Louis, der einen Mittelmeerhafen brauchte, der allein der französischen Krone unterstand – nicht den italienischen Seerepubliken oder einem fremden Herrn. Auf diesem zurückgewonnenen Salzsumpf – der Name bedeutet „tote Gewässer“ – ließ er eine neue Stadt im Schachbrettmuster anlegen und begann mit dem Bau des gewaltigen, runden Bergfrieds, der heute Tour de Constance heißt. Von hier aus stach Saint Louis 1248 und erneut 1270 mit seinen Flotten zu den Siebten und Achten Kreuzzügen in See.
Die Ringmauern der Stadt wurden im 13. und 14. Jahrhundert errichtet; die eigentlichen Stadtmauern begannen unter seinem Sohn Philipp III. dem Kühnen ab 1272 und wurden in den folgenden Jahrzehnten vollendet. Da Aigues-Mortes im 19. Jahrhundert nie umgestaltet oder stark restauriert wurde, ist sein 1.650 Meter langer Mauerring mit Toren und Türmen fast genau so erhalten, wie er einst erbaut wurde – eine unversehrte mittelalterliche Wehranlage, die Sie vollständig umrunden können. Dabei blicken Sie auf der einen Seite auf das schachbrettartige Straßennetz der Stadt und auf der anderen auf die schimmernden Salzseen der Salins du Midi.
An der Nordwestecke erhebt sich die Tour de Constance, der mächtigste der Türme, erbaut von Ludwig IX. zwischen 1242 und 1254 mit sechs Meter dicken Mauern am Fuß. In späteren Jahrhunderten diente sie als Gefängnis, und nach der Aufhebung des Edikts von Nantes im Jahr 1685 wurden hier Hugenottinnen inhaftiert, die sich weigerten, ihren protestantischen Glauben abzuschwören. Die berühmteste unter ihnen, Marie Durand, war 38 Jahre lang hier eingesperrt; in die steinerne Einfassung des Turmbrunnens soll sie das okzitanische Wort „RÉSISTER“ – widerstehen – geritzt haben, das Besucher noch heute lesen können. Die vom Centre des monuments nationaux verwaltete Sehenswürdigkeit ist ein Rundgang auf eigene Faust: Besteigen Sie den Turm, gehen Sie auf den Mauern entlang und lassen Sie 750 Jahre Geschichte um sich lebendig werden.